"Vereine sind gezwungen, um die Gunst der Menschen zu buhlen"

Stefano Santinelli, CEO von localsearch - Swisscom Directories über die Wichtigkeit der digitalen Präsenz

SWISS MANAGEMENT RUN 2019

Viele Vereine bekunden Mühe, neue Mitglieder für sich zu begeistern. Haben die Schweizer einfach keine Lust mehr, sich zu engagieren?

Stefano Santinelli: Ich glaube nicht, dass die Schweizer keine Lust mehr auf das Vereinsleben haben. Nur die Freizeit-Konkurrenz ist merklich grösser geworden.
Beispiel Netflix: Heute ist es möglich, tagelang richtig gute Serien schauen – und sich auch gleich noch das Essen nach Hause zu bestellen. In den sozialen Medien kann man ebenfalls unendlich viel Zeit verbringen. Selbst das Veranstaltungsangebot im öffentlichen Raum ist heute so gross wie noch nie, von Konzerten, Quartierfesten über Streetfood-Festivals bis hin zu Open-Air-Kinos. All das erschwert es vielen aktiven Menschen, auch noch Zeit für das Vereinsleben zu finden.
Was das für Vereine heisst? Sie müssen sich aktiv um ein gutes Image kümmern und attraktiv auftreten, um überhaupt als Alternative zu allen anderen Ablenkungen wahrgenommen zu werden. Sie müssen ihr «Produkt» auf einer Website ansprechend darstellen. Sie müssen im Internet leicht gefunden werden, wenn jemand nach ihnen sucht. In aller erster Linie müssen sie aber lernen, dass sie in Konkurrenz zu anderen Freizeit-Aktivitäten stehen und gezwungen sind, um die Gunst der Menschen zu buhlen.


Ihr Unternehmen ist online gut positioniert und erfolgreich. Was ist Ihr Erfolgsrezept und ist es auf Vereine übertragbar?

SS: Auch wir müssen tagtäglich um unsere Kunden kämpfen und sie von den Vorteilen unserer Produkte überzeugen. Das schaffen wir nur, wenn wir selbst die höchsten Ansprüche an unsere Dienstleistungen haben, sie auf dem letzten Stand der Digitalisierung sind und wenn wir unsere Kunden damit begeistern können. Kurz: Wir schnüren für unsere Kunden ein attraktives und überzeugendes Packet aus innovativen Dienstleistungen, guter Beratung und einem starken Markenversprechen. Das alles nützt uns allerdings nichts, wenn uns potenzielle Kunden nicht finden und uns nicht kennen. Deshalb ist es für unseren Geschäftserfolg entscheidend, überall da präsent zu sein, wo sich unsere Zielgruppe über themenbezogene Problemlösungen, Dienstleistungen und Anbieter informiert.   

Natürlich kann man Vereine nicht eins zu eins mit kommerziellen Unternehmen vergleichen. Die grundsätzlichen Herausforderungen sind aber dieselben. Ich bin sogar überzeugt, dass Vereine, gleich welcher Ausprägung, je länger je mehr eine unternehmerische Perspektive einnehmen müssen. Nur so können sie auch künftig Mitglieder gewinnen, Sponsoren überzeugen und sich die Sympathie der Bevölkerung sichern.


Ein «Do» und ein «Don’t» für einen guten digitalen Auftritt?

SS: Ob Verein oder Firma: Ich bin ich davon überzeugt, dass man neuen Technologien gegenüber neugierig bleiben muss und lieber einmal etwas zu viel ausprobiert statt einmal zu wenig. Den grössten Fehler macht man nämlich dann, wenn man meint, es sei jetzt alles getan. Wer einen erfolgreichen digitalen Auftritt hinlegen möchte, der darf sich nicht auf seinen Lorbeeren ausruhen. Die digitale Welt wandelt sich rasant und was heute State-of-the-Art ist, kann morgen schon veraltet sein.