"Die Qualität der Pausen entscheidet über Erfolg oder Misserfolg"

Philipp Heider, CEO und Personal Coach der R1 Sportsclub GmbH über den Umgang mit der modernen Arbeitswelt

SWISS MANAGEMENT RUN 2019

Wie managen Sie es bei R1 Business Solutions, auf die Schnelllebigkeit und Hektik der modernen Arbeitswelt zu reagieren und Pausen einzuplanen? Geht andauerndes «Stop and Go», ohne dass der Erfolg des Unternehmens darunter leidet?

Philipp Heider: In der Welt des Sports gibt es eine «Weisheit», die zu dieser Fragestellung aus meiner Sicht perfekt passt. "Das Leben besteht aus einer Serie von Sprints mit angemessenen Pausen dazwischen. Die Qualität der Pausen entscheidet über Erfolg oder Misserfolg!"
Es kommt also aus meiner Sicht weniger auf die reine Quantität als vielmehr auf die Qualität der Pausen an. Letztlich gilt es sowohl auf persönlicher als auch auf unternehmerischer Ebene eine Pausengestaltung zu finden, die zum Individuum bzw. zum Unternehmen passt. Eine Blaupause hierfür gibt es daher aus meiner Sicht nicht.
Von einem "Stop and Go" würde ich ohnehin nicht reden, denn ich verstehe eine Pause nicht als Anhalten, sondern vielmehr so, dass die Energie in eine andere Richtung, nämlich nach innen fließt.
Ich halte es für essenziell, dass Energie im Fluss und im Gleichgewicht ist. Es gibt daher aktive, dynamische Wachstumsphasen, in denen die Energie nach außen getragen wird, es braucht aber als komplementäres Gegenstück auch die nach innen gerichtete, kontemplative Phase der Besinnung und Konsolidierung, um einen gewissen Abstand und somit eine Objektivität hinsichtlich des Erreichten zu gewinnen, die Erfolge zu feiern und aus den Fehlern zu lernen.
Somit stellt sich für mich nicht die Frage, ob der Unternehmenserfolg darunter leidet, sondern vielmehr die Frage, wie erfolgreich ich als Individuum und wir als Unternehmen überhaupt ohne diese Pausen sein können.

Im immer schnelleren Geschäftsumfeld wird es oft schwierig, selbst Zeit für eine Pause zu finden. Wie schaffen Sie es, Ihre Work-Life Balance in gesundem Masse zu gestalten?

PH: Bei dieser Fragestellung erstaunt es mich immer wieder, dass der Gedanke an regelmäßige Pausen nach wie vor in der Unternehmenswelt als «böhmisches Dorf» bzw. teils kritisch gesehen wird, da es scheinbar nicht dem klassischen Bild «des Machers/der Macherin» entspricht. Im gleichen Zug spricht die ganze Welt, insb. im Zuge der Digitalisierung, von den Vorzügen Daten getriebener Entscheidungsprozesse.
Die Daten wiederum, mit anderen Worten die Studienlage, sprechen eine ganz eindeutige Sprache. Nämlich die, das gezielte Pausen durch Power Naps, Spaziergänge oder Spiele die Kreativität und Leistungsfähigkeit signifikant erhöhen. Ich sehe es somit als reine Frage der Priorisierung und nüchtern betrachtet als Investment in mich und mein unternehmerisches Wirken.
Darüber hinaus habe ich auch in der Praxis erlebt, dass die Zeit, die ich in Pausen investiere, einen vielfach größeren Ertrag einbringt, als wenn ich keine Pausen mache. Sei es in Bezug auf empathische Mitarbeiterführung, den partnerschaftlichen Kontakt mit Kunden oder den lösungsorientierten Umgang mit Herausforderungen im Alltag.
Somit stellt sich für mich gar nicht die Frage ob bzw. wie ich Pausen einplane, sondern sie sind ein fester Bestandteil meines Alltags, dem ich andere, vermeintlich wichtige Dinge, unterordne, in dem Wissen, dass es eine Investition ist, die mich und das Unternehmen langfristig weiterbringt.
Und noch ein Wort auf philosophischer Ebene. Ich bin überzeugt, dass der messbare Anstieg an Burn-out, Depressionen und allgemeiner Unzufriedenheit in der Bevölkerung sehr stark damit zusammenhängt, dass Menschen sich durch die Abwesenheit von gezielten und qualitativ hochwertigen Pausen in eine Situation geraten, in der sie sich vom Leben vor sich her getrieben fühlen und im sprichwörtlichen Hamsterrad gefangen sind. Auch und insb. in dieser Hinsicht halte ich eine individuelle sowie Unternehmenskultur, die diesen Aspekt mehr in den Vordergrund rückt, für unabdingbar und als Teil der unternehmerischen und gesellschaftlichen Verantwortung.

Widerspiegelt der Swiss Management Run ebenfalls Ihre Absichten von einer Abwechslung vom Alltag? Ist das Ihre Art eine kurze Pause vom Alltag zu erhalten oder wie setzen Sie Pausen um?

PH: Für mich stellt der Swiss Management Run eine gelungene Möglichkeit dar, das Schöne mit dem Nützlichen zu verbinden. Wir werden mit einigen unserer Kunden ein Wochenende in unserem Partnerhotel Valsana Hotel & Appartements in Arosa verbringen, das Naturschauspiel der Schweizer Alpen genießen, uns im Zuge des Swiss Management Run körperlich ertüchtigen und die Möglichkeit nutzen unser Netzwerk in entspannter Atmosphäre  zu erweitern und neue Impulse mitzunehmen.

Eine erholsamere und schönere Art des geschäftlichen Wirkens kann ich mir kaum vorstellen.